Wie im Flug …

10. September 2019

.. ist die Zeit in den letzten Tagen vergangen. Gerade eben haben wir uns noch in Wana Keta am Strand befunden und ich war schwimmen und wir haben gegrillt, auf einmal läuft am Abend in der Magellan der Dickinson und heizt die Temperatur ein bisschen auf, damit ist angenehm ist. Gerade eben sind wir noch im Wasser gewesen, auf einmal steht die Magellan schon wieder an Land.

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Von Wana Keta ging es flott am 2. September nach Penetanguishene zu unserem Winterlager, alles unter Segeln und bei der Hafeneinfahrt war Fritz nur schwer zu überreden, die Segel zu bergen und in den Hafen einzulaufen. Dort wurden wir auch schon von Linda, der Besitzerin empfangen und konnten in den nächsten zwei Tagen unsere Segel bergen, die Nachbarn kennenlernen und einen lauen Abend am Steg verbringen, wo Tina die Mandoline spielte, Charlie die Gitarre und Pink Floyd, Cat Stevens und weitere Gassenhauer sang. Fritz wurde beim Mitsingen ertappt und Burki, ein Stegnachbar fiel besoffen fast ins Wasser. Es wurde fast Mitternacht mit viel Gelächter, Geschichten und einem sehr netten Abend.

Am 5. September wurden wir dann aus dem Wasser geholt, aufgedockt und ich zahlte unsere sensationell niedrige Rechnung für das Winterlager (2 x kranen, Pump-out, Strom, Miete für die Steher und 9 Monate an Land kosten hier nicht einmal 1.800 €)

Am nächsten Tag arbeiteten wir brav an Bord, da der Regen aufs Deck trommelte und begannen dem Herrgott zu danken, dass wir nicht mehr in den Maritimes ( = Nova Scotia and Neufundland) sind. Hurrican Dorian wurde dort erwartet und uns grauste bei dem Gedanken, dass wir um diese Jahreszeit üblicherweise dort noch segeln würden. Bei Wellen bis 20 m und Böen um die 150 km/h waren wir in Gedanken bei unseren vielen lieben Bekannten, die wir über die Jahre dort kennengelernt hatten.

Am 6. ging es zum Bauernmarkt nach St. Jacobs zu den Mennioniten. Leider war dies nicht so toll, wie wir es erwartet hatten, aber immerhin haben wir viele Mennioniten dort angetroffen und nachher noch das Museum mit ihrer Geschichte besucht. Am Abend gab es dann noch ein großes Fest in der Marina, mit Spannferkelgrillen, Maiskolben und jeder brachte etwas mit, Salat oder Dessert. Ich habe natürlich als Wienerin etwas Süßes aus der Küche mitgebracht.

Auch am nächsten Tag ging es recht früh in die Nachbarortschaft. Ein Pow Wow fand dort statt und wir freuten uns schon auf dieses Zusammentreffen der First Nation aus der Umgebung und ergatterten sogar Sessel in der ersten Reihe fußfrei. Und damit war auch das Blickfeld frei auf Fritz, der zu einem Tänzchen aufgefordert wurde und mit einem Herrn mit Büffelkopf seine Runde drehte.

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Diese Pow Wows sind offen für jedermann, allerdings ist dies keine touristische Veranstaltung sondern tatsächlich ein Treffen der Sänger, Trommler und Tänzer und sogar einige betagte Damen in Tracht drehten im motorisierten Rollstuhl mit ihre Runden.

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Wir wurden mit heiligen Rauch bewedelt, es gab leckeres Essen und wir hatten große Freude mit diesem Ausflug.

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Heute sitzen wir im Cockpit, das Gepäck ist bereits im Auto und in einer Stunde geht es los zum Flughafen. Schauen wir mal, wie turbulent der Flug wird mit Dorian und einem weiteren ex-tropicalen Sturm über dem Nordatlantik. Damit schließen wir das Blogg für dieses Jahr und hoffen euch hat es auch Spaß gemacht die Großen Seen mit uns zu bereisen.

 


Badeurlaub mit Klapperschlangen und Bären

1. September 2019

Labour Day ist am Montag erfahren wir am Steg. Ja wir liegen am Steg. Nach fünfmaligen Ankerauf haben wir einen Steg gefunden, der genug Wassertiefe hat, damit wir längseits gehen können. Und während wir uns noch wundern, warum innerhalb der letzten Stunde der Steg gar so voll wird, erfahren wir nun warum. Ein verlängertes Wochenende, danach müssen die kanadischen Kinder wieder in die Schule. Während es Mittwoch und Donnerstag noch sehr familienfreundlich am Steg zugeht, mit sehr wohlerzogenen Kindern, Lagerfeuer und Badefreuden ziehen am Freitag die Partyleute am Steg ein.

 

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Wir haben Mittwoch und Donnerstag genutzt und sind wandern gewesen, haben den entzückenden Fairy Lake erkundet.

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Dabei haben wir Streifenhörnchen, Frösche, Kröten und sogar eine Wasserschildkröte gesehen und zwei Stunden nachdem wir den Massaussagepfad schon hingewandert sind, bei dem Rückweg festgestellt, dass in der Zwischenzeit ein Bär den Pfad gekreuzt hat und sich dort erleichtert hat. Woran so etwas zu erkennen ist? Die Größe und auch der Inhalt, halbverdaute Heidelbeeren sind nun einmal kein Hundefutter, auch hätten es zumindestens zwei dänische Doggen sein müssen …

Unser Steg in der Wana Keta Bucht liegt an einem kleinen Sandstrand und so habe ich die Gelegenheit auch jeden Tag genutzt um eine Runde zu schwimmen. Leider hatte Fritz kein Glück mit seinen Fotos, Neumond wäre optimal – aber leider regnet es jede Nacht, dafür haben wir sommerliche Temperaturen untertags. Nur in der Früh und am Abend wird es nun schon deutlich kühler.

Ein Ausflug mit dem Beiboot bringt uns nicht nur in die ca. 2 sm entfernte Ortschaft zum Einkaufen, sondern erlaubt uns auch, die engen Kanäle der Umgebung zu erkunden. Nun wissen wir, warum wir über das Funkgerät in den letzten Tagen immer gehört haben, dass ein Boot (ab 28 Fuß Länge) der Öffentlichkeit kundtut, dass man gedenkt in diese Kanäle einzufahren, und um Meldung bittet, falls etwas dagegenspricht. Zwei Beiboote sind teilweise schon fast zu viel, ausweichen aufgrund der Wassertiefe schwierig, teilweise unmöglich. Wenden geht daher auch nicht. Wir werden wohl nächste Saison den äußeren Weg und nicht den inneren Weg nehmen J

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Am Freitag ging es auf einen neuen Wanderweg auf Entdeckungsreise. Den „Windelweg“, so genannt, da er besonders Moosbewachsen ist und die Indianer dieses Moos unter anderem als Windeleinlage für Ihre Babys verwendet haben.

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Plötzlich die große Überraschung, eine Klapperschlange liegt mitten am Weg und fühlt sich dort in der Sonne sichtlich wohl. Fritz fuchtelt mit einem langen Stock vorsichtig herum, um ihr ja nicht weh zu tun. Erfolglos – erst kleine Stupser helfen, damit die Schlange sich unwillig ins Unterholz zurückzieht, auch das typische Klappern ist zu hören, allerdings ist es mehr ein Rasseln. Später sehe ich noch eine Babyschlange, aber ob dies auch eine Klapperschlange ist, werden wir nie erfahren, da diese blitzschnell unter einer Baumwurzel abtaucht. Was für ein Glück, in den Führern steht überall, wie Scheu diese Tiere sind, und das man diese daher fast nie zu Gesicht bekommt.

 

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Am Steg hat sich inzwischen viel getan. Mehrere Boote sind neu angekommen, die Besatzungen bereits beim Einlaufen schwer eliminiert. Die restlichen Bootsbesitzer greifen fleißig mit an, um Schäden an den eigenen Booten zu verhindern. Das Canabis in Kanada legal ist, hört Fritz in den ersten 5 min von unseren neuen Nachbarn, die ihm einen Joint anbieten wollen. Und falls ihr euch nun über das Alter unserer Nachbarn wundert, wir sind wahrscheinlich teilweise jünger.

Auch in der Bucht selber geht es hoch her, die Boote liegen nun im Packerl mit bis zu vier Booten, oft hat nur ein Boot einen Anker ausgebracht. Dementsprechend slippen sie auch durch die Bucht. Ein Boot bekommt seinen Anker nicht mehr hoch und schleppt ihn einfach am Grund mit und legt so an einen Stegplatz an. Der Anker liegt nun, Tage später noch immer am Grund …

Langweilig wird es also nicht, aber obwohl die Musik nun ein bisschen lauter ist, die Stimmen auch erhoben sind, ist es trotzdem eine gute Stimmung am Wana Keta Steg. Fritz macht sicherheitshalber ein Nachmittagsschläfchen, er vermutet in der Nacht wird es nicht so einfach werden mit dem früh schlafen gehen. Allerdings schlafen wir wie die Babys und bekommen gar nicht mit, dass die Polizei einen Einsatz auf unserem Steg hatte. Alkohol ist am verlängerten Wochenende im Nationalpark nur auf dem eigenen Boot erlaubt. Naja – da sind wohl einige Vergehen vorgefallen. Am nächsten Morgen laufen alle mit Sonnenbrillen herum und versuchen den Pegel mit Alkohol und Baileys zum Frühstück zu halten. Fritz erhält ein kanadisches Breakfast mit Speck, selbstgemachten Ahornsirup und Pancakes und wird den ganzen Tag gut gefüttert. Ich kann den Alkohol mit Hinweis auf meine Medikamente ausschlagen, Fritz bekommt einiges ab. Am Abend sitzen wir alle um ein riesiges Lagerfeuer herum und die Musik spielt, die Damen tanzen und immer wieder wird mitgesungen. Wir stellen fest, dass die Kanadier auch in ihrer Muttersprache nicht richtig sattelfest bei den Liedtexten sind und versuchen alle Fragen zu unserer Reise zu beantworten. Leider ist es auch diesen Abend bewölkt, was uns besonders weh tut, da dieses Wochenende auch am Lake Huron die Nordlichter zu sehen wären, wenn die dummen Wolken nicht wären. Drückt die Daumen für heute Nacht, aber es schaut leider nicht so gut aus. Nun muss ich Schluss machen, erstens gibt es gleich ein Gruppenfoto, wo auch wir um Anwesenheit gebeten wurden und außerdem gibt es eine weitere Wanderung im Beausoleil Nationalpark.

 


Ein Hauch von Herbst liegt in der Luft

27. August 2019

 

Ups – wie ist das denn so rasch passiert. Eben noch war Fritz gar nicht von der Couch unter dem eingeschalteten Ventilator wegzubekommen und nun auf einmal packen wir die langen Hosen und die langärmligen Pullover aus. Zwar nur in der Früh und am Abend, aber es ist doch deutlich kühler seit wir Lions Head verlassen haben.

Morgennebel, Tau an Deck und an den Fenstern ist nun üblich am Morgen, aber die Sonne scheint noch immer kräftig untertags. Möglicherweise wird aber bald unser „großer“ Ofen, unser Dickinson angeworfen werden, da wir am Morgen teilweise nur noch 14 Grad Celsius haben.

Die letzten Tage waren vor allem durch Faulenzen geprägt. Zwei Tage in MacGregor Harbour im Indianerreservat, kleine Landgänge, Fritz mit dem Beiboot in die Abenddämmerung hinausbrausend um Sterne zu fotografieren. Wie  bereits erwähnt ist Fritz begeistert von der Qualität des Sternenhimmels, da fast keine künstlichen Lichtquellen diesen erhellen.

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Weiter ging es am Samstag nach Owen Sound. Dort hinterlegte Bob, ein Segler vom Lake Ontario, Bath bei seiner Nichte und seiner Schwägerin ein Päckchen mit Adapter für unsere Signalpistole. Die für uns gesetzlich vorgeschriebene Munition dafür ist leider schon abgelaufen und neue, passende  ist in Kanada ungesetzlich. Allerdings gibt es einen Adapter aus Aluminium zu kaufen – in den USA. Bei Westmarine und einem kleinen Geschäft in Seattle, auf der anderen Seite des Kontinents. Nur – da auch dies unter Munition fällt (???) darf es nicht nach Kanada mit der Post versendet werden. Und überhaupt – bei Westmarine darf ich gar nichts bestellen, da unsere Europäische Datenschutzgrundverordnung anscheinend so streng ist, dass Westmarine bereits voriges Jahr beschlossen hat, an Personen mit europäischer Kreditkarte nichts zu verkaufen.

Also fuhr Bob (nachdem ich mit einer fremden Kreditkarte bestellt hatte) tatsächlich mit seiner Frau in die USA (zur Erinnerung: Bath liegt an der Grenze zu den USA) und holte diesen Teil. Leider hatte er starke Nackenschmerzen und wollte verständlicherweise nicht Autofahren, als unser Teil zum Abholen bereit lag und so nahm er es einfach mit nach Owen Sound, mit der Gewissheit, dass wir hier einmal vorbeikommen würden. Und so geschah es auch. In Owen Sound selber gab es ein Fisch Derby – Livemusik, Donutstände und vieles mehr. Vor allem gab es –ANGLER! Bei Dunkelheit liefen diese auch alle am frühen Morgen im Eiltempo aus dem Hafen und bevölkerten bald wie eine Horde Wasserkäfer den Sound. Der Hafen war fast leer und die Größe der Boote könnte unterschiedlich nicht sein.

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Das Anglerboot für die kleine Börse, mit Pedalantrieb

Zuerst unter Motor, dann unter Segel ging es flott am ersten Ankerplatz vorbei. Der nächste war leider am Anfang eine Enttäuschung, Steine und kein Sand als Untergrund, einige Versuche bis wir endlich einen guten Untergrund fanden und über Nacht blieben. Fritz wieder unterwegs mit dem Beiboot an Land um weitere Fotos zu schießen.

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Flottes Segeln, vorbei am ersten Ankerplatz, wieder ein Indianerreservat

Am nächsten Tag ging es weiter, rasant segelten wir an Penetanguishenne, wo unser Winterlager sein wird vorbei, hinein nach Beausoleil Island, einem Nationalpark, wo es nicht nur die Klapperschlangen, sondern auch Schwarzbären im Sommer gibt. Leider war auch hier der Ankerplatz nur solala und nach 1 Stunde slippte der Anker. Also von vorne … Bei Böen über 20 Knoten Wind und angesagten 30 Knoten, sollte es schon eine ruhige Nacht werden. Nach dem fünften Versuch war es so weit, Magellan war zufrieden und es wurde eine ruhige Nacht vor Anker. Heute am Dienstag, dem 27. August weht es noch immer und wir rucken immer wieder in den Anker ein. Regen trommelt aufs Deck und Fritz singt leise dazu in der Koje.

Schade, eigentlich würde ich gerne mit dem Beiboot an Land um die Insel zu erkunden, aber morgen wird es wohl so weit sein. Wir genießen die Ruhe und faulenzen ein bisschen an Bord der Magellan.

 


Kanada, wie aus dem Bilderbuch

21. August 2019

Welches Bild von Kanada habt ihr im Kopf? Grüne Wälder, blitzblaues Wasser von einem See, jemand der im Kanu vorbeipaddelt und ein paar Raubvögel, die über euren Köpfen kreisen? Wenn ja, dieses Klischee können wir derzeit jederzeit bedienen. Zusätzlich gibt es noch kristallklares Wasser und weiße Sandstrände bis zum Abwinken.

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Am 15. August haben wir uns endlich aus Port Sanilac verabschiedet, nicht jedoch bevor Magellan ihren Durst gestillt hat. 190 Liter Diesel um wohlfeile 114 € konnten wir uns nicht entgehen lassen, danach war leider der Bauch von Magellan wieder voll. Bei dem Preis würde man am liebsten auch noch die Wassertanks mit Diesel vollmachen. Eine sehr lange und zähe Überfahrt hat uns dann nach Goderich, eine Kleinstadt auf der kanadischen Seite gebracht.

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Klein aber fein, Wohnwagen aus den 60ern, der dahinter ist ein richtiges Schmuckstück

 

Während der Überfahrt haben Fritz und ich lange diskutiert, warum wir beide froh sind, die amerikanische Seite hinter uns zu lassen. Jeder Kontakt mit Polizei, Zoll oder ähnlichem war immer sehr korrekt, freundlich und hilfsbereit. Die Menschen sind herzliche, hilfsbereite und aufgeschlossene Seelen, die sich über ein Gespräch immer freuen. Und doch – wir fühlen uns irgendwo im Hinterkopf immer ein bisschen unwohl. Einerseits gehe ich nicht mehr so unbefangen in die Shopping Mall – und das muss man ja schon, um Lebensmittel zu kaufen, da alleine in den letzten 14 Tagen 3 Attentate an solchen Orten in den USA passiert sind, auch in kleineren Orten.

Aber auch haben wir beide das Gefühl, dass wenn einmal etwas nicht so klappt mit einem Behördenkontakt, wir unabsichtlich etwas falsch machen, die Stimmung eventuell leicht kippen kann. Beide zweifeln wir ein bisschen, ob es nicht doch Behördenwillkür gibt und fragen uns, ob wir hier wie in Kanada auch auf aufgeschlossene Beamte stoßen würden. Immerhin sind wir einmal Monate in Kanada ohne CANPASS Nummer durchs Land gereist und wie ich mit Entsetzen diesen Fehler bemerkt habe (beim Einklarieren in Labrador hat man uns versichert, dass bereits alles erledigt ist und die CANPASS Routine wurde gerade neu eingeführt) wurde ich vom Zoll bei meinem hektischen Anruf sogar getröstet und es hatte kein Nachspiel für uns. Wir können unsere innere Abneigung gegen die USA nicht richtig festmachen, aber es gibt eindeutig Länder, in denen wir uns lieber aufhalten.

Und so freuen wir uns auch als wir am frühen Abend in Goderich ankommen, dem Zoll schnell unsere Daten durchgeben und danach die angeblich hübscheste Stadt von Kanada besichtigten. Fritz fragt mich immer wieder, wo ich dies gelesen habe (drei verschiedene Führer) und schläft bei einem Livekonzert am Hauptplatz fast ein.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Kincardine, dort genieße ich den langen Sandstrand und schaffe es immerhin bis zum Bauch ins Wasser – kalt, kalt, kalt, kann ich euch nur sagen und bei unserer kleinen Stadtbesichtigung laufen auf einmal drei ehrwürdige Tallships in den Hafen ein. Das Hafenmanöver des ersten Schiffes ist „interessant“, der Skipper brüllt und schreit, die junge Mannschaft springt ca. einen Meter um von Bord aufs Festland zu kommen um die Leinen zu befestigen. Kurz darauf wird der erste junge Mann ein Pflaster benötigen um seine Wunden zu versorgen. Dagegen ist das Hafenmanöver des zweiten Schiffes schon weniger spannend. Der Skipper steht am Kajütdach, den Kaffee in der Hand und dirigiert mit unaufgeregter Stimme seine Leute. Hier geht es ohne Unfälle ab, die Sprünge wurden aber auch hier vollzogen.

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Wir marschieren weiter zur Hautstraße, vorbei an ein paar alten Gebäuden mit viel Blumenschmuck und entdecken eine kleine Pizzeria mit Holzofenpizza. Lecker! Auf dem Weg retour entdecken wir beim alten Leuchtturm einen Herrn in Kilt und Dudelsack. Zu Sonnenuntergang werden oben am Leuchtturm immer ein paar Melodien zum Besten gegeben. Am Samstag zieht sogar eine ganze Schar an Dudelsackpfeiffern durch den kleinen Ort, um eines Herrn zu gedenken, der mit seinem Dudelsackgepfeife vor vielen, vielen Jahren ein Schiff in den sicheren Hafen leitete.

badestrand.jpgLeider ist unser Musikant noch nicht sehr geübt und es tut fast körperlich weh, dem Vortrag zu lauschen. Fritz meint, dass der Arme sicher in der Nacht nicht gut schlafen konnte vor lauter Aufregung, aber im Hafen wird viel applaudiert und auch die Touristen auf der Brücke johlen vor Begeisterung.

Wir schlafen am Samstag ein bisschen länger, frühstücken sehr gemütlich an Bord und dann geht es weiter nach Port Elgin, wo unser Liegeplatz schon reserviert ist. Auch hier gibt es einen Sandstrand mit vielen Badenden, Beachvolleyballspielenden und Sandburgenbaumeistern, direkt neben unserem Hafen.

 

Eisgeschäfte versüßen uns den Abend und ein traumhafter Sonnenuntergang rundet den Tag ab.

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Am Sonntag, den 18.August studieren wir bereits um 5:30 Uhr den Wetterbericht. Wir werden heute gutes Reisewetter haben, aber in der Nacht wird es deutlich mehr Wind und Gewitter geben. Wir haben nun die Wahl zwischen einem langen Reisetag oder einem Ankerplatz, wo wir wahrscheinlich zwei Tage eingeweht sein werden.

Wir fahren bei Sonnenaufgang los und obwohl wir angeblich 15 kn Wind von hinten haben sollten, muss Konrad, der Diesel, die ersten Stunden die Magellan durchs Wasser schieben. Aber irgendwann kommt der angekündigte Wind und wir lassen den überlegten Ankerplatz achteraus und um 16:00 Uhr fällt der Anker in einer kleinen, sehr geschützten Ankerbucht direkt in einem Nationalpark in der Georgian Bay ,– unser Ziel für dieses Jahr. Leider sind wir nicht die einzigen, ein kleines Segelboot liegt genau in der Mitte und damit müssen wir uns an den Rand drücken. Der Winddreher in der Nacht gefällt uns nicht, durch das Hochwasser ist nicht ganz klar, ob wir genug Wasser auf der Seite haben und kurz vor Sonnenuntergang (und der Feststellung, dass der Wind sich gerade beginnt in die falsche Seite zu drehen) erhört Fritz mein Flehen und wir gehen Anker auf. In 23 Semmeilen gibt es eine große Ankerbucht, die ebenfalls sehr hübsch aussieht.

Bei 23 kn Wind von der Seite, also Halbwind sind wir flott und um Mitternacht tasten wir uns vorsichtig einen 40 ft breiten Kanal in die Bucht. Magellan ist 13 ft breit, daher sollte Fritz schon in der Mitte bleiben. Mit dem Suchscheinwerfer leuchte ich die Seezeichen an und kaum sind wir in der Bucht se

hen wir auch die anderen vier Ankerlieger. Drei mit Ankerlicht, einer ohne …

Unser Anker beißt ord

entlich in den Grund und wir gehen beide recht rasch schlafen. Immerhin wachen zwei Ankeralarme für uns, aber diese Nacht wird alles ruhig bleiben. Am nächsten Tag bewundern wir unser kleines Plätzchen. Bald ist auch unser Beiboot im Wasser, das erste Mal in diesem Sommer und der Außenborder spinnt zwar beim Standgas, bringt uns aber trotzdem ans Ufer um einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Leider ist der Strand unter Wasser, trotzdem gefällt uns unser Ausflug zum historischen Leuchtturm (wieder einmal) und einem kleinen Picknickplatz. Das versprochene Geschäft wo es kleine Snacks geben soll (EIS!!!) hat leider zu und so finden wir uns rasch wieder auf unserer Magellan. Trotz der Kürze haben wir unsere Wanderschuhe an, sind wir doch ab nun in Klapperschlangenterritorium und da sind gemütliche Croqs nicht geeignet für einen kurzen Landgang.

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Angeblich gibt es hier auch Kojoten, Luchse und Schwarzbären, wir glauben aber nicht an unser Glück für Sichtungen hier, sondern wir hoffen auf nächstes Jahr im North Channel, wo die Bären angeblich sogar auf die Boote klettern um Leckerlis zu finden. (Nicht dass wir dies erleben möchten …)

 

Ab nun haben wir Luxusprobleme – welchen der vielen Ankerplätze sollen wir nehmen? Aber ich denke auch dieses Problem werden wir lösen, ein Fixpunkt ist in den nächsten Tagen ein Besuch in einem Indianerreservat, wo es ein paar ausgezeichnete Ankerplätze gibt. Fritz selber ist im Astroparadies angekommen. Georgian Bay gehört zu den Plätzen auf der Erde, wo es noch Dark Sky, also nicht künstlich erleuchteten und damit verschmutzen Himmel gibt. In fast jeden Hafen gibt es am Abend Ausfahrten mit einem Ausflugsboot um den Sternenhimmel erklärt zu bekommen oder an Land einen Hobbyastrophotographen der Infos anbietet. Dies wird Fritz zwar nicht benötigen, aber die Ausrüstung ist ja teilweise fix an Bord und ab nun wir Fritz wohl öfters mit dem Beiboot am Abend noch rasch seine Kamera an Land bringen um ein paar Aufnahmen zu machen …

Am Dienstag den 20. August, unseren 32. Reisetag laufen wir in dem Hafen von Lions Head ein. Zwar ist der Liegeplatz nicht gerade preiswert, allerdings gibt es hier einen sehr leichten Zugang zu dem Bruce Trail, welcher von den Niagarafällen entlang bis hierher und noch ein bisschen weiter führt, also ca 900 km lang ist. Wir schlüpfen wieder in unsere Wanderschuhe, uns befinden uns bereits einige Minuten später am Trail. Leider nicht alleine, ein paar ernsthafte Wanderer mit Bärenglöcken begegnen uns genauso wie die Flip-Flop Gelegenheitswanderer, die uns sogar nach den Weg fragen, da sie ohne Karte einfach los marschiert sind. Zwischendurch sehen wir noch eine Sanitäterin auf dem Weg erste Hilfe zu leisten. Wundern tuen wir uns nicht. Bei den “Look-outs“, den Aussichtspunkten, weigere ich mich an die Kante zu gehen, keine Abgrenzung, und ich habe die Klippen von Bord aus gesehen, Überhänge wohin man schaut, nein dankeschön, nicht mit mir. Fritz amüsiert sich, ob meiner Sorgen und bald treten wir wieder den Rückweg an. 3,5 Stunden später sind wir wieder an Bord, etwas nass, da uns der Regen noch die letzten paar Meter erwischt hat.

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Am Mittwoch geht es spät hinaus unter Segel und wir sind gerade auf dem Weg unseren Ankerplatz im MacGregor Harbour bei dem Indianerreservat anzusteuern. In der Nacht wird es wieder Starkwind und Gewitter geben, allerdings sind wir von allen Seiten gut geschützt und werden dort sicher eine ruhige Nacht verbringen und morgen vielleicht sogar einen Ausflug in das Dorf unternehmen.

 

 


By By Lake Erie, hello Lake Huron

13. August 2019

Tschüss Lake Erie rufen Fritz und ich im Chor, als wir in den Detroit River einbiegen. Du wirst uns nicht fehlen!

Womit hat sich der arme Lake Erie dieses vernichtende Urteil verdient? Nun ja, 4 Atomkraftwerke, wenig Ankerplätze und vor allem eine Attitüde bezüglich der Wellenhöhe. Bei einer Windstärke, bei der man normalerweise nette langgezogene Wellen erwartet, nicht zu hoch und nicht zu spitz, merkt man hier die Tiefe von ca. 20 m. Daher gibt es auch bei geringen Windstärken eine Welle, die man auf der offenen See bei Starkwind oder Sturm erwarten würde.

Bevor wir aber den Detroit River erkunden, waren wir noch zwei Tage in Put-in-Bay einer Insel im Eriesee an einer Mooring. Wir haben das Wassertaxi gut ausgenutzt und Livemusik gehört, waren Essen und haben unseren Proviant ergänzt. Ich konnte sogar meine Schlappe mit dem Karusell in Por Dalhousie ausbessern und habe eines der letzten 100 alten Holzkarussele in den USA gefunden und bin wie Mary Poppins huldvoll darauf geritten. Fritz war nicht zu überreden, spielte allerdings den Fotografen.

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Put-in-Bay ist ein sehr netter Ort: Die Lokaldichte an der Promenade ist atemberaubend und die ersten Betrunkenen sieht man schon am frühen Abend. Aber wirklich jeder ist in Urlaubslaune und es herrscht eine sehr gute Stimmung. Die Moorboote werden auch  immer mehr im Hafen, da in den nächsten Tagen eine Motorbootregatte stattfindet. Auf unsere erstaunte Nachfrage erfahren wir, dass es dabei um Geschicklichkeit und Bootsbeherrschung geht. So gibt es unter anderem einen Slalom zu meistern, beim Einparken besonders geschickt und schnell zu sein und ähnliches. Auf der Promenade steht ein Thunderbird nach dem anderen, da hier gerade das Thunderbirdtreffen stattfindet. Die Oldtimer sind liebevoll gepflegt und werden stolz hergezeigt. Warum man aber eine Insel, welche nur mit der Fähre zu erreichen ist für ein Oldtimertreffen auswählt, muss man wohl nicht verstehen. Nebenbei haben wir noch etwas für die Bildung gemacht und das Perrydenkmal besucht, von dem man einen atemberaubenden Ausblick auf die Umgebung hat.

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Auch der Zoll wurde auf uns aufmerksam. Bereits bei der Einfahrt in die Put-in-Bay kam ein flottes Boot längsseits. Rasch drosselte ich unsere Geschwindigkeit und grüßte freundlich. Die Frage nach der Nationalität war nicht überraschend und kaum hingen wir an unserer Mooring waren die Herren schon wieder vor Ort. Unsere Pässe und die Bootspapiere wurden kontrolliert, gefragt wo wir einklariert haben. 20 min später zeige ich den freundlichen Herren, die sich für die Wartezeit gefühlte zwanzigmal entschuldigen unser Foto von der Bestätigung bei der App ROAM mit einer Bearbeitungsnummer. Dies beschleunigt anscheinend alles. Kurz darauf, wieder mit einer Entschuldigung, bekommen wir alle Papiere retour und Lokalempfehlungen fürs Abendessen. Noch kurz ein paar Fragen zu unserer Reise und wir werden wieder alleine gelassen.

Am 8 August geht es frühmorgens los und wir legen die letzten 30 sm im Lake Erie zurück. Unter Segel und gegen die Wellen kämpfend. Leider können wir nur einen kleinen Teil im Detroit River segeln, und natürlich ist die Strömung gegen uns, also schiebt Konrad uns brav durch den Fluss. Obwohl – hoppala – was kommt da für ein Geräusch aus dem Motorraum.  Eine Schraube von einer Halterung hat sich gelöst und droht in die Keilriemen zu rutschen. Während ich also im Fluss segle, verbrennt sich Fritz die Finger am Motor und schraubt den Bolzen wieder dorthin, wohin er gehört. Leider ist ein Distanzstück ebenfalls heruntergerutscht und Fritz hat es nicht gesehen. Kurz darauf bricht die Halterung, welche aus ca 7 mm Edelstahl besteht einfach durch. Ab nun geht es sehr langsam unter Maschine weiter. Die Häfen haben die Büros schon alle geschlossen und daher fahren wir an Detroit vorbei und ankern in der Nähe der Hafeneinfahrt.

Detroit selber stinkt zum Himmel, die Stahlindustrie ist hier ebenso zuhause, wie die Autoindustrie und ein Werk nach dem anderen säumt das Flussufer. Gas wird abgefackelt, die Abgase verdunkeln den Himmel, zwischendurch ein paar zerfallene Fabriken. Möglicherweise ist Downtown hübscher – aber ihr wisst ja – mit Städten haben wir es nicht so :).

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Detroit mit der Ambassadorbrücke

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Detroit Downtown

  1. Fahrtag: nein kein neues Ruder, nur eine Schweißnaht bei einer Metallplatte, versuche ich der Dame von der Jefferson Beach Marina am Telefon zu erklären. Später erfahre ich, das Kathi schwerhörig ist, dies erklärt mein seltsames Telefongespräch. Ich reserviere uns gerade einen Platz für die Nacht und kläre bereits ab, ob wir hier unsere kleine Reperatur durchführen können. Ron kommt an Bord, nimmt das von Fritz ausgebaute Metallstück an sich und bringt es uns am nächsten Morgen wieder. Es ist nicht optimal, aber es wird wohl wieder eine Zeit lang halten.

Wir verbringen unsere Zeit in einer Marina mit 800 Booten,  und 4!!! Duschen. Die Waschmaschinen laufen auf Hochtouren, der Supermarkt wird geplündert und ein paar neue Ausrüstungsgegenstände, wie ein neuer 24 Volt Ventilator, kommen ebenfalls an Bord. Um alleine von unserem Liegeplatz nur zum Ausgang der Marina zu kommen, brauche ich ca. 20 min (und ratet mal, wo die Waschmaschinen sind).

Auf der anderen Seite unseres Liegeplatzes gibt es Lokal mit dem verheißungsvollen Namen „Brownie“. Leider gibt es dort auch einen DJ der bis um Mitternacht die Boxen zum Glühen bringt mit einer unfassbar schlechten Musikauswahl. Während wir im Cockpit zum Bass mithüpfen amüsiert mach sich den Lärm nach auf der anderen Seite ausgezeichnet. Immerhin, um 2:00 Uhr morgens kehrt Stille ein.

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Mal eine anderes Boot, sogar die Beleuchtung war ordnungsgemäß in der Nacht!

Am Samstag geht es nur ein paar Seemeilen weiter in den Norden. Wir sind derzeit im Lake St. Claire, dieser ist fast so flach wie der Neusiedlersee und die Motorbootdichte ist beeindruckend. Vor Anker schüttelt es uns immer wieder durch, dank der Wellen der Motorbootfahrer und erst nach Sonnenuntergang wird es ruhiger am See.

Kein Wunder nach der vorigen Nacht, dass Fritz und ich besonders gut schlafen. Leider wollen wir heute durch den St. Claire River, daher ist vereinbartes Ankerauf um 6:00 Uhr. Da schlafen wir noch beide, aber um 6:20 Uhr scheppert der Anker und es geht bei Flaute zur Einfahrt des Flusses. Die Fliegen stehen auch schon beim Empfang bereit um Fritz freudig zu begrüßen und der Fliegenpracker liegt auch schon wieder im Cockpit. Wir schleichen durch den Fluss, der über 2 kn Strömung konstant hat, da wir unserer Metallplatte mit der Schweißnaht bei einer höheren Motorendrehzahl nicht ganz trauen und kommen daher erst am frühen Abend nach über 40 sm bei unserem Ankerplatz an. Nur bei der letzten Brücke erhöhen wir auf 1600 Umdrehungen. Die Strömung ist so stark (ca. 4 kn), dass wir trotz Motor und Genua nur mit 1,8 kn dahinschleichen. Hinter uns schleicht eines der Tallships (=sehr große alte Segelboote aus Holz oder Stahl), welche hier gerade Station machen (unter anderem die Bluenose,  die wir aus Lunenburg so gut kennen) mit einem Knoten unter der Brücke durch.

 

Unser Ankerplatz für den heutigen abend liegt im letzten See, den wir auf dieser Reise erreichen wollten. Hallo Lake Huron. Die Anreise ist also geschafft, nun beginnt der landschaftlich schöne Teil der Reise.

Dienstag: wir liegen im kleinen Ort Port Sanilac im Hafen und machen einen Rasttag. Das Wetter ist schön, aber der Wind ist aus Nordosten, und ja, genau dorthin wollen wir. Die Wellen werden laut Wetterbericht über 2 m hoch, teilweise sogar 2,5 m und Gewitter sind auch angekündigt. Ein paar Boote sind bei der Hafeneinfahrt und hüpfen in den Wellen. Danke nein! Unser nächster Schlag ist ca. 40 sm lang und wird uns wieder auf die kanadische Seite des Sees führen. Daher warten wir auf eine bessere Windrichtung, machen einen kleinen Spaziergang, Fritz geht zum Friseur und wir genießen die gute Internetverbindung.

 

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Back in the USA

5. August 2019

Schaut einmal genau hin, seht ihr da am Horizont etwas Buntes aufblitzen. Wenn ja – das sind wir mit unserem 145 qm² großen Gennaker, unserem „Gute-Laune-Segel“. Das gute Stück kam in den letzten Jahren viel zu selten zum Einsatz, aber heute am 31. Juli, dem 12. Reisetag ist es so weit. Zuerst wird die Genua, die Fock und das Groß auf einmal gesetzt und als der Wind immer achterlicher  einfällt, wird der Gennaker gesetzt. So legen wir über 27 sm von den heutigen 47 unter Segel zurück und freuen uns darüber. Nur die Insekten sind eine Plage, vor allem die Fliegen nutzen den wenigen Wind aus und machen Fritz das Leben zur Hölle. Der Arme ist schon ganz zerbissen und die Fliegenklatsche wird das wichtigste Werkzeug an Bord der Magellan. Die Nacht verbringen wir auf der kanadischen Seite in einer riesigen Bucht und da die kanadische Seite zu wenig Häfen und Ankerplätze bietet, entschließen wir uns am nächsten Tag auf die amerikanische Seite zu wechseln. Ich nutze noch unser kanadisches Handy und kläre mit dem amerikanischen Zoll ab, wo wir einklarieren können. Der sehr nette Offizier ruft mich sogar zweimal retour, als die Leitung unterbrochen ist und informiert mich ausführlich über die neue App ROAM, mit der wir in die USA einklarieren können. Zuvor überprüft er noch unsere B1/B2 Visa und erklärt alles als okay. Amerika wir kommen!

Der beste Ankerplatz am Lake Erie ist die Bucht vor dem Ort Erie. Wir liegen allerdings im sauteuren Erie Yachtclub, da wir Internetzugang benötigen. Nachdem ich die Liegeplatzgebühr bezahlt habe, erfahre ich, dass es kein Passwort für das WIFI gibt, wenn wir das gewusst hätten, hätten wir uns einige Euros ersparen können. Haben wir doch unsere Piratenantenne und daher kein Problem mit der Reichweite. Das Einklarieren ist rasch erledigt, obwohl ich bei der Frage „Führen Sie Lebensmittel ein“ mit ja antworte, bekommen wir keinen Anruf und bereits nach 60 min bekommen wir eine positive Bestätigung. Wir sind nun offiziell in den Vereinigten Staaten angekommen. Ich kaufe noch zwei neue Feuerlöscher, damit wir bei einer Kontrolle der Coast Guard keine Probleme bekommen und ein orangenes Tischtuch aus Plastik. Wir sollen eine orangene Flagge an Bord haben – die finde ich nirgends. Das Tischtuch rolle ich liebevoll zusammen, stecke es in ein Plastiksackerl und lege es zu den Notsignalen. Besser als nichts, Abmessungen sind keine vorgegeben, die Rüschen am Rand, kann man ja notfalls abschneiden J

Am 2. August  geht es unter Gennaker weiter, die Fliegen senden die nächste Angriffswelle und Fritz bekommt einen leicht irren Blick, wenn er mit dem „Pracker“ in der Hand eine ins Visier nimmt. Ganz reicht es nicht, aber fast die Hälfte der Gesamtdistanz haben wir nun unter Segel zurückgelegt. 180,0 sm unter Segel, 180,7 sm unter Motor. Der Ankerplatz im Vorhafen eines Industriehafens bietet wieder einmal einen netten Ausblick auf ein Atomkraftwerk und die Barken werden ständig an uns vorbeigeschleppt. Aber – es ist ein geschützter Ankerplatz und wir wollen hier ja nur schlafen.

Am nächsten Tag geht es weiter unter Segel und während wir überlegen, ob wir vielleicht doch nach Cleveland laufen schläft auch schon der Wind ein, so bleibt es also bei 25 sm und als Hafen wählen wir Fairport aus. Auch hier legen wir uns in den Außenhafen auf Rede und hier geht die Post ab. Es ist Samstag und die Bewohner des Ortes verbringen den Tag ebenfalls im Außenhafen. Die Jetskis sausen an uns vorbei, die Paddler fragen woher wir kommen und erzählen es aufgeregt an die Motorbootfahrer neben uns weiter. Fritz verschwindet sofort unter Deck um weiteren Fragen auszuweichen, aber die Neugierde ist schon gestillt und bald wird es Abend und damit sind wir bald alleine vor Anker.

Auch der 4. August, unser 16. Reisetag überrascht uns mit viel Sonne und tollem Segelwind. Netterweise dreht dieser auch mit uns mit und so machen wir nur zwei Halsen (=Segelmanöver), statt der befürchteten vielen und sausen an Cleveland vorbei (Häfen immer voll, wir haben schon am Vortag keinen Platz bekommen) nach Lorain. Der Hafenführer empfiehlt hier, aufgrund der Kriminalität nicht „Downtown“ zu gehen, weder bei Tag noch bei Nacht und zeichnet in Summe ein sehr schlechtes Bild. Wir legen uns wieder einmal vor Anker und kurz darauf haben wir ein Polizeiboot neben uns mit sehr interessierten Herren. Woher kommen wir, sind wir wirklich über den Ozean gesegelt, wo wollen wir hin, wieviel Meilen haben wir schon in Summe gesegelt … Die üblichen Fragen also. Leider vergesse ich zu fragen, ob es in der Kleinstadt wirklich so gefährlich ist. Wir schlafen auf jeden Fall ausgezeichnet und fahren am nächsten Tag mit Countrymusik aus dem Radio den Hafen beschallend weiter zu Kelleys Island. Diesmal muss der Motor her, da der Wind uns gerade mal 6 sm weiterbefördert, dann haben wir das, was ein Seemann „Glatze“ nennt. Öliges, glattes Wasser. Im Radio erzählen Sie von einem Schussattentat in der Nähe, wo 9 Menschen gestorben sind, und Originalzitat „ die Polizei erschoss den Täter und machte daraus 10“.

Momente, in denen wir uns wieder auf Kanada freuen. Fritz ist bereits seit Tagen in ausgezeichneter Laune, heute höre ich ihn aber sogar im Cockpit singen – ab nun geht es wieder in den Norden. Wir haben mit Lorain den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht – so südlich war Magellan noch nie, ab nun geht wieder in kühlere Gefilde. Wir befinden uns in der Höhe von Spanien.

Die kleine Bucht in der wir gerade Ankern gehört zu den beliebtesten Ankerplätzen am Lake Erie. Wir haben allerdings Glück und teilen uns diese nur mit 6 anderen Segelbooten und ein paar Motorbooten. Angeblich liegen hier am Wochenende oft mehrere hunderte Boote. Der versprochene Sandgrund ist zwar ein bisschen steinig, aber es sind zwei Ankeralarme an und wir treiben schlimmstenfalls auf den offenen See hinaus. Wir sind nun bereits ziemlich am Ende des Sees angekommen und werden in den nächsten Tagen den Detroit River hinauffahren. Dabei müssen wir leider 2,5 m Steigung zurücklegen und werden daher doch ziemlich starke Strömung gegen uns haben. Aber noch genießen wir segeln und Sonne pur.

 

 

 


Landausflug zu den Niagarafällen

2. August 2019

Montag 29. Juli: Wütend zische ich in das Telefon, dass die Vorgehensweise inakzeptabel ist und ich nicht bereit bin, dies hinzunehmen. Habe ich vor ca. 1 Stunde doch einen Mietwagen reserviert und auch eine Reservierungsbestätigung erhalten. Bin aufgrund dessen ins Hafenbüro gegangen und habe noch eine Nacht bezahlt um nun zu hören, dass das Auto nicht um 9:30 Uhr sonders erst um 15:00 Uhr für uns verfügbar ist. Anscheinend war ich bissig genug – kurz darauf bekomme ich einen Anruf und um 10:30 Uhr sitzen wir in unserem Minivan (gebucht haben wir nur einen Kleinwagen, aber solange es nicht mehr kostet …) und sind auf dem Weg zu Niagara on the Lake. Dieser kleine Ort ist ein Must See und wir wollen uns dies nicht entgehen lassen. Es geht an Obstplantagen und Weingärten vorbei und bald haben wir den kleinen Ort erreicht. Es ist tatsächlich ein Must see – nicht nur für uns, sondern auch für tausend andere Touristen und Fritz bekommt innerhalb von 10 Sekunden einen Kulturschock.

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Schnell gehen wir die Hauptstraße entlang, bewundern die alte Apotheke und amüsieren uns über die Werbungen für alte Heilmittel. Kurz noch ein Besuch im Eisgeschäft und dann fahren wir drei Minuten weiter und sind bei Fort George angekommen. Hier ist es deutlich beschaulicher und wir lassen uns über die Rolle der Indianer im vergessenen Krieg von 1812 zwischen den Amerikanern und Briten aufklären lassen. Wie immer haben, die Indianer viele Versprechungen erhalten, ihren Teil der Verpflichtungen auch eingehalten, aber nach dem Krieg wurden von Seiten der Europäer alle Versprechungen für nichtig erklärt.

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Wir fahren weiter zu den Wasserfällen. Beide waren wir vor ca. 25 Jahren da, Fritz sogar im Herbst als er in Kanada für ein halbes Jahr gearbeitet hat. Wir wollen den White Water Walk machen, mit dem Boot zu den Wasserfällen fahren und dieses Naturschauspiel genießen. Bereits beim White Water Walk stehen wir ca. 40 min an um mit dem Lift hinunter zum Wasser gebracht zu werden. Fritz zieht sich in die innere Emmigration zurück und ist nur entsetzt. Aber irgendwann ist es geschafft und wir spazieren nach den Fällen das Wasser entlang.

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Hinauf geht es dann deutlich schneller und wir fahren mit dem Bus weiter zu Anlegeplatz der Hornblower.

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Die Lady of Mist fährt seit einigen Jahren nicht mehr von der kanadischen Seite aus, daher bekommen wir nicht die berühmten blauen Regenmäntel sondern rote in die Hand gedrückt.

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Wir finden auch einen guten Platz an der Reling und los geht es hinein die Gischt, die Wirbel und die Strömungen. Direkt unter unseren Füßen spüren wir die Vibration des Maschinen und ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn hier die Technik versagen würde.

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Die Fälle selber sind einfach nur beeindruckend und der Käptn fährt fast hinein – leider kreischt fast jeder an Bord wenn er nass wird (und das werden wir alle) aus vollem Hals. Man sollte es nicht glauben, aber die Leute schaffen es sogar, dass Getöse der Fälle zu übertönen. Pitschnass verlassen wir das Boot – aber bei den herrschenden Temperaturen sind wir in kurzer Zeit wieder staubtrocken, nur die Schuhe brauchen etwas länger.

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Danach schauen wir uns noch das Whirlpool an, hier ist der Name Programm und das Wasser macht einen großen Strudel nach den Fällen. Da wir außerhalb geparkt haben um die exorbitanten Parkgebühren zu vermeiden, steigen wir wieder in den Bus ein – leider werden diese aber ab 6:00 Uhr nur noch kurzgeführt und so gibt es noch einen Fußweg von ca. 2 km bis wir wieder bei unserem Mietwagen angekommen sind.

Müde kommen wir spätabends beim Boot an und diesmal bleibt die Küche kalt und Pizza Hut sorgt für unser Abendessen.

In der Nacht beginnen starke Gewitter und es wird ein Spiel aus Luken auf – Luken zu. Fritz wird sogar munter, weil es auf ihn regnet und auch am nächsten Morgen hat es nicht aufgeklart sondern regnet noch immer junge Katzen. Daher hängen wir noch einen Rasttag in der Sugarloaf Marina an. Ich bringe den Mietwagen retour, wir faulenzen und genießen den Rasttag.


Magellan erklimmt die Niagarafälle

31. Juli 2019

Mittwoch, 24. Juli: Cobourg liegt achteraus. Wir sind unter Segel auf dem Weg zur Frenchmans Bay. Dort werden wir die Nacht verbringen, allerdings nicht in der sehr geschützten Bucht selber, sondern davor. Die Bucht selber ist so seicht, dass man glauben könnte am Neusiedler See zu sein. Aber davor ist der Seeuntergrund Sand und damit ein perfekter Ankergrund für uns. Die Nachbarschaft ist allerdings fraglich. Der Ausblick aus dem Cockpit zeigt direkt vor uns das Atomkraftwerk von Pickerton. Fritz kriegt sich vor Lachen fast nicht mehr ein, als er das einsame Windrad auf dem Gelände des Atomkraftwerkes sieht. Wir sind ca. 15 sm = 30 km von Toronto entfernt. Wir sind davon überzeugt, dass der Lake Ontario, die Trinkwasserquelle für die gesamte Gegend, welche die dicht besiedelste von Kanada ist, hier auch für das Kühlwasser des Kraftwerkes sorgt. Hier wäre ein Unfall also besonders fatal. Man kann sich also über die Wahl des Standortes nur sehr wundern. Ungeachtet dessen, haben wir einen netten Segeltag mit Motoranteil hinter uns und  werden eine ruhige Nacht verbringen.

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Unser Nachbar das Atomkraftwerk, man  beachte das Windrad

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Am nächsten Tag sind wir früh auf und es geht weiter Richtung Toronto. Die Stadt liegt sehr geschützt hinter einem Gürtel aus kleinen Inseln, die von den Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet genutzt werden. Wir haben die Skyline schon ca. 25 sm vorher gesehen und nun kommen die Wolkenkratzer immer näher.

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Bald lenkt uns Fritz in den inneren Hafen und wir begutachten die Hafenpromenade. Jeder der uns kennt weiß, dass wir nicht so begeistert sind von Städten und so wird die Besichtigung von Toronto als unwichtig betrachtet. Wir waren beide schon hier und so suchen wir unseren ausgewählten Ankerplatz aus. Hier aber wuselt es förmlich vor Fähren, Ausflugsbooten und Freizeitskippern. Rasch ist aber eine Lösung gefunden, neben uns gibt es ein befestigtes Ufer und eine Frage an ein Segelboot dort klärt, dass wir über Nacht bleiben können. Vorsichtig tasten wir uns hin – die Tiefe ist nicht ganz klar aber es ist tief genug für uns. Volltreffer! Wir haben direkt vor uns einen traumhaften Ausblick auf die Skyline von Toronto und liegen doch im Grünem. Direkt gegenüber befindet sich einer der zwei!! FKK-Stränden von Kanada (der andere ist auf der anderen Seite des Kontinents in Vancouver) und es ist ein ständiges Kommen und Gehen bei uns am Kai. Ein Motorboot nach dem anderen wird ausgeführt und vor allem die Lautstärke der Soundanlage ist beeindruckend. Wir drehen unseren Radio ab, da die Beschallung von allein Seiten kommt, liegen im Cockpit und genießen das Leben.

 

 

 

 

Kurz habe ich einen Anfall von schlechtem Gewissen – sollte wir nicht doch mit der Fähre nach Toronto übersetzen – wo wir doch schon hier sind. Aber ein gutes Buch vertreibt diesen Moment rasch und wir spazieren noch ein bisschen auf den Wegen auf „unserer“ Insel. Fritz geht im Dunkeln noch hinaus und bezahlt die Bilder von Toronto bei Nach mit Blut im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gelsen hier sind so groß wie Spatzen und Fritz hat den Gelsenspray vergessen.

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Am Freitag den 26. Juli geht es weiter und wir fahren bei Flaute nach Port Dalhousie. Dort angekommen kümmere ich mich um unseren dritten Mann. Den Welland Canal darf man nur zu Dritt befahren, wir sind aber nur zwei an Bord. Also telefoniere ich ein bisschen herum mit Hilfe von Nena aus dem Hafenbüro und bald finden wir Norm, welcher bereit ist und am Sonntag zu begleiten. Wir wollen den Canal hinauf und dies geht immer nur am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag. Also machen wir am Samstag einen Spaziergang in Port Dalhousie, wo ich mich besonders auf meine Karussellfahrt auf einem alten Karussell von 1905 freue. Nachdem ich Fritz einmal um die Bucht deswegen gejagt habe, stellen wir fest, dass dieses leider aufgrund des Hochwassers nicht in Betrieb ist. Es ist sogar so gut eingepackt, dass man nicht einmal einen Blick darauf erhaschen kann. Enttäuscht geht es retour zu unserem Liegeplatz.

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Dort kennt uns inzwischen der gesamte Steg. Noch nie haben wir so eine Partystimmung in einer Marina erlebt. Jeder kennt jeden,  am Steg hat man Sitzgelegenheiten aufgebaut, die auf jede Terasse passen würden, es gibt vor den Booten private Griller, Abwaschgelegenheiten und auch einige Bars die exzessiv genutzt werden. Am nächsten Tag um 4:00 Uhr früh fragen wir uns ernsthaft, ob die Leute am Steg noch von dem Gelage vom Vortag übergeblieben sind oder einfach ebenfalls früh aufgestanden sind.

Pünktlich um 7:00 Uhr stehen wir am Sonntag den 28. Juli bereit. Die erste von acht Schleusen, die sogenannten Locks liegen vor uns und wir haben Norm an Bord genommen. Dieser hat den Welland Canal schon unzählige Male befahren und verdient sich so in der Pension etwas dazu. Bei 7 Urenkelkinder ist dies sicher kein Fehler. Fritz macht sich große Sorge, da hier auch körperlicher Einsatz gefragt ist und versorgt unseren Helfer mit einer Wasserflasche nach der anderen. Wir gehen mit einem Motorboot, der Luxusklasse (der Besitzer hat auch einen Privatjet) und einem etwas kleinerem Segelboot durch den Canal. Deswegen legt das kleinere Segelboot auch in jedem Lock längseits bei uns an. Die ersten zwei Locks brauchen wir keine Hilfe. Ab dem dritten Lock kämpfen Norm und Dan vorne am Bug gegen die Verwirbelungen, Steve und ich am Heck und Fritz steht am Steuer uns versucht uns gerade zu halten. Hinter uns liegt das Motorboot mit massivsten Einsatz den Bug- und Heckstrahlruders. Beim vierten Lock versagt das Bugstrahlruder des Motorbootes und Steve flüstern mir zu; „ Nun sind die so wie wir“, eine leichte Gehässigkeit ist dabei zu hören und wir grinsen uns verschwörerisch an. Später hören wir, dass es einfach heißgelaufen ist.

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Der Muskelkater wird mich noch die nächsten zwei Tage begleiten, aber irgendwann haben wir auch Lock 3-5 geschafft, diese sind direkt hintereinander und gönnen einem keine Erholungsmöglichkeit. Hier legen wir die Strecke der Niagarafälle zurück und danach sind 6 und 7 auch einmal geschafft. Wir verabschieden uns von Norm, Nummer 8 verlangt keine dritte Person und irgendwann am späten Nachmittag, haben wir auch die letzte Schleuse und die letzte Schwing-. Hebe- oder Klappbrücke hinter uns gelassen und laufen in die Marina Sugarloaf in Port Colborne ein. Zur Feier des Tages wird eine Tafel Schokolade vernichtet, noch ein bisschen mit den anderen beiden Bootcrews geplaudert und danach fallen wir sehr rasch in unsere Kojen und in einen tiefen Schlaf. Der schlimmste Teil liegt hinter uns und wir befinden uns nun im Lake Erie. Dieser ist recht flach mit einer Durchschnittstiefe von ca. 20 m und bietet wenig Ankermöglichkeiten. Dies wird also eher eine Durchfahrt werden, leider ist die vorherrschende Windrichtung Südwest – ratet mal in welche Richtung wir weitersegeln werden 🙂


Start mit Hindernissen

26. Juli 2019
  1. Juli – wer haette es gedacht, wir sind unterwegs und Bath liegt bereits ueber 100 sm in unserem Kielwasser. Bevor es allerdings losging musste noch die kleine Leckstelle beim Kuehlwassersystem beseitigt werden. Nach drei Anlaeufen war es endlich geschafft, die richtigen Ersatzteile waren an Bord und unser Motor war wieder dicht. Allerdings stellten wir fest, dass unsere Kuehlfluessigkeit rabenschwarz war. Obwohl ich mit dem Aufkleber unserer alten Kuehlfluessigkeit im Geschaeft war, also alle Spezifikationen aufgedruckt waren, habe ich doch das falsche Kuehlmittel verkauft bekommen. Unser altes war mit Nitrit (CAT ELC) unser neues ist nitritfrei. Leider vertragen sich diese nicht so gut und daher mussten wir den gesamten Kreislauf 6mal!! spuelen, bevor wir ein klares Wasser sahen. Danach fuellten wir das neue Mittel ein und am naechsten Tag war es nicht mehr schwarz, sondern endlich wieder in einer der typischen giftigen Farben fuer ein Kuehlmittel.

Damit war es nun doch schon Samstag, die Besitzer der Marina kamen noch auf einen Kaffee vorbei, wir testeten noch die Maschine kurz im Hafen, dann warfen wir die Leinen los und ab ging es mit der eisernen Genua (=Konrad, unser Motor) zu einem netten, sehr nahe gelegenen Ankerplatz.

Dort untersuchten wir noch einmal unser Kuehlmittel, hielten beide den Daumen hoch und genossen den Abend im Cockpit. Am naechsten Tag ging es bereits um 7:00 Uhr weiter. Entweder wuerde es nur ein kurzer Schlag unter Segel werden oder ein sehr langer. Dazwischen gab es keinen Hafen, keine Ankerbucht, die bei dem vorherrschenden Wind  passen wuerde. Weil es so gut ging, entschieden wir uns fuer den langen Schlag und kamen erst um 23:00 Uhr bei unserem Ankerplatz an. Wir hatten fast die gesamte Strecke den Wind auf die Nase und mussten daher brav aufkreuzen. Muede lieszen wir den Anker fallen und gingen schlafen. Am naechsten Tag wurden wir durch Regen geweckt, und erst am spaeten Vormittag ging es wieder hinaus. Die Sonne zeigte sich nicht, aber die Wolken ergaben gemeinsam mit den Lake Ontario ein besondere, verwunschene Stimmung und erst am Nachmittag sahen wir die Sonne. Unser Liegeplatz war in der Cobourg Marina, wo wir auch einen dorthin bestellten Ersatzteil geliefert bekommen haben. Also hat Fritz auch noch schnell den Batterieschalter ausgetauscht waehrend ich den sehr netten Ort erkundete.  Heute liegen wir noch immer in Cobourg, am Abend ging es zu einem kleinen Konzert in den „Stadtpark“. Hier spielte die Cobourg Band und die Zuhoerer sassen mit Klappsesseln und Decken bewaffnet schon bereit. Was an Uebung fehlte, machte man durch Begeisterung wett und die ansehnliche Zahl der Besucher bedankte sich mit guter Stimmung. Leider ist die Internetverbindung sehr schlecht, daher kommt dieser Bericht ueber das Amateurfunkgeraet und daher ohne Fotos. Diese werden aber nachgeliefert, versprochen!

Wir werden in zwei Tagen in Toronto sein, aber wahrscheinlich gar nicht in einen Stadthafen einlaufen, sondern nur auserhalb ankern. Sowohl Fritz, als auch ich kennen Toronto schon, und Staedte faszinieren uns ja nicht so sehr … Aber vielleicht aendern wir noch unsere Meinung, dies ist ja das schoene am Segeln. Die ersten Tage waren auf jeden Fall ein wunderbarer Anfang fuer unsere Reise zur Georgian Bay in Lake Huron.


Wieder im Wasser – der Urlaub kann beginnen!

17. Juli 2019

15. Juli 2019: Aufgeregt klettere ich ins Boot, welches gerade wieder ins Wasser gelassen wurde. Haben wir doch die Wellengleitringdichtung gewechselt (und für euch Nichtsegler: dieses Ding soll ein sehr großes Loch im Boot abdichten, damit sich zwar der Propeller drehen kann, aber wir nicht absaufen können) und nun stellt sich die Frage. ob wir dicht sind. Kurz darauf tauche ich wieder auf, strahlend über das gesamte Gesicht: Fritz hat gute Arbeit geleistet, wir sind dicht!

Bevor wir so weit waren, gab es aber viel zu tun. Wir sind bereits am 10. Juni von Wien losgeflogen, wieder einmal hauptsächlich Ersatzteile im Gepäck, hatten wir doch eine lange To-Do-Liste. Da unsere Magellan ein Stahlboot ist, möchte die Lady von Zeit zu Zeit ihren Lack neu aufgetragen haben. Dieses Jahr stand der Motorraum und der Ankerkasten auf dem Programm und wir planten von Haus aus 1 Monat Arbeitszeit dafür ein. Der Motor, unser „Konrad“ musste dafür von der Marina herausgehoben werden, dabei war der Auftrag, gleich einmal zu schauen, ob es etwas zu überholen gab. Eine Bürste bei einer Lichtmaschine wurde getauscht, ansonsten passte es. Der Rost im Motorraum und im Ankerkasten war ein anderes Problem. Die Ecken zu erreichen war oft gar nicht so einfach und da wir auch noch Bitumen auf der Grundierung haben, war das entfetten eine Herausforderung. Aber irgendwann waren auch die 9 Farbschichten aufgetragen, halbwegs durchgehärtet (an manchen Stellen haben wir ja noch Bitumen) und unser Konrad wieder an Ort und Stelle.

Die Maschine wird herausgehoben

Zwischendurch gab es eine Rettung eines Babyeichhörnchens, dass ich an meine Brust gekuschelt mit Walnüssen fütterte, bevor eine freundliche Mitarbeiterin der Loyalist Cove Marina sich bereit erklärte es in einer Auffangstation für Wildtiere für mich abzugeben. Da der Lake Ontario derzeit ein Allzeithoch an Wasser führt, sah ich die Gänsejungen am Parkplatz schwimmen, ein Otterjunges am Steg spielen und im Großbaum zwitscherten die Jungvögel vor sich hin und schrien nach Futter.

Das verwaiste Eichhörnchen

Gerade der letzte Punkt erschwerte es uns den Ankerkasten rechtzeitig zu starten, da die Vogeleltern sehr nervös wurden, wenn wir das Vorschiff betraten, wo unser Großbaum im Winter gelagert wurde. Also hieß es: bitte warten. Wenn die Hitze zu groß wurde, kippte ich einen Kübel Wasser auf das heiße Metall, um die Kleinen in der Röhre von außen zu kühlen. Leider versäumten wir die ersten Flugversuche: am Morgen sahen wir noch die drei Köpfen, wie die Welt begutachtet wurde, am Nachmittag war das Nest leer. Bereits am nächsten Morgen standen die nächsten potentiellen Eltern Schlange um die Behausung in guter Lage, möbliert und bewährt zu begutachten. Rasch wurde der Zugang verstopft und der Ankerkasten von Fritz auseinandergebaut. Das Metall wärmte sich im Laufe des Tage in der Sonne auf und es flossen wohl einige Liter Schweiß (teilweise alleine beim Gedanken daran, den Ankerkasten wieder zu begehen). Immerhin kann ich darin stehen und der Deckel kann über meinem Kopf geschlossen werden, die Front erreiche ich nur mit klettern und Werkzeug, da sonst die Hände zu kurz sind.

 

Wieder im Wasser stellen wir fest, dass ein Schlauch beleidigt wurde beim Befestigen des Heißauges. Leider war es nicht der Schlauch alleine, nach Austausch desselbigen (Schnitzeljagd in Kingston um einen passenden zu finden) stellte sich heraus, dass auch der Anschluß nicht mehr dicht ist, und in 45 min wird mich jemand abholen und mit mir versuchen auch dieses Teil zu besorgen.

Wenn wir diesen Teil haben müssen wir nur noch ein Segel setzen, einen Schalter austauschen, der auch den Winter nicht überlebt hat (Batterieschalter für die Motorbatterie) und los geht es.

 

Wohin führt uns unsere Reise dieses Jahr überhaupt?

Es geht von Bath, welches am Lake Ontario liegt, über Toronto, die Niagarafälle (welche wir mit dem Wellandcanal umgehen werden, also keine Sorge), allerdings legen wir dabei in 12 Stunden 99,5 Höhenmeter zurück. Hier findet ihr noch einige Informationen dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Wellandkanal

Danach geht es durch Lake Erie wahrscheinlich recht flott zu Lake St. Claire bis wir im Lake Huron landen werden. dort gibt es ein, unter Bootsbesitzern sehr bekanntes Eckchen, die Georgian Bay. Hier werden wir unser Winterlager beziehen, bevor wir Mitte September wieder nach Hause fliegen.

Einige Highlights haben wir uns auch schon herausgepickt für diesen Törn, lasst euch überraschen, was alles auf unserem Wege liegen wird.

 

Lake Huron selber ist je nach Betrachtungsweise der größte (mit Lake Michigan gemeinsam) oder drittgrößte (alleine betrachtet) Süßwassersee der Welt. Auch hier gibt es ein paar Infos.

 

Der Aufenthalt in der Marina neigt sich also dem Ende zu. Man muss sagen, obwohl es ein Arbeitsaufenthalt war haben wir die Zeit in der Loyalist Cove Marina in Bath sehr genossen. Den Namen Fullservice Marina trägt man hier zu recht und die Mitarbeiter sind sehr hilfreich und bemüht. Die Besitzer, Michelle und Dave geben einem das Gefühl, sehr willkommen zu sein. Sogar eine sehr nette Einladung zu einem Ausflug mit ihrem Motorboot zu einem sehr idylischen Restaurant rundete unser Erlebnis hier ab. Sollte also jemand aus der Segelcommunity einmal einen Überwinterungsplatz in den Großen Seen benötigen, können wir hier auf jeden Fall eine klare Empfehlung abgeben, sowohl aufgrund der Infrastruktur, als auch der Freundlichkeit.

Auch geht es hier sehr international zu: unsere letzten Barbecues haben wir mit Neuseeländern, Amerikanern und Kanadiern im Crows Nest begangen (Aufenthaltsraum in der Marina).

Ab nun wird es wieder öfter Blogbeiträge geben, da wir uns bald aus der Marina hinausbewegen werden und unseren diesjährigen Segeltörn beginnen werden. Drückt mal alle die Daumen, dass ich heute ein Ersatzteil finde!