Geparkt in Dänemark

10. April 2012

Freitag der 30. März: Hektisch geht alles in die letzte Runde! Die Feuerlöscher werden noch rasch serviciert, das Auto vollgeladen und ab es geht nach Deutschland. Die nächsten Tage sind bereits gut verplant: Der Kompass wird neu kompensiert, ein Gutachter kommt an Bord wegen einer alten Sache mit unserer hydraulischen Steuerung, die Scheiben im Cockpitzelt werden erneuert, und Fritz moniert einen neuen Bilgenalarm. Der alte war Batterienabhängig und diese waren ständig leer, der Neue, der auch im Motorraum, in der Vorschiffkoje und in der Achterkajüte montiert wird hängt nun an den Verbraucherbatterien. Auch ein Kohlenmonoxidmelder wird montiert, dieser wird mir viel Freude machen, da ich bald feststelle, dass er nicht bei unserem Dieselherd auslöst, allerdings seine Meldepflichten sehr genau nimmt, wenn ich den Spirituskocher kurz anwerfe. Wer hätte gedacht, dass unser Origo soviel Sauerstoff verbraucht. Die letzte Zeit in Flensburg verbringen wir mit verabschieden. So rasch werden wir hier leider nicht mehr festmachen. Vera und Axel verbringen den vorletzten Abend mit uns, Anja und Thorsten erreiche ich leider telefonisch nicht.

Danach werfen wir die Leinen los und es geht ab nach Sonderborg, wo wir im Stadthafen festmachen. Eine Pizza wird geholt und der Abend klingt gemütlich im Cockpit aus. Allerdings muss das Cockpitzelt als Windschutz dienen, da der Wind die Temperatur eindeutig absenkt. Am nächsten Tag beobachten wir ein armes Segelboot, welches vielleicht zwei Minuten zu spät ablegt, unbarmherzig wird die Klappbrücke wieder abgesenkt und die armen müssen wieder festmachen. 2 1/2 Stunden später öffnet die Brücke wieder und legen auch wir ab und fahren Richtung unseres neuen Hafen weiter. Bald legen wir dort bei Regen an und verziehen uns unter Deck. Am nächsten Tag beginnen wir Magellan für das Herausheben vorzubereiten und als wir mit allen fertig sind fahren wir wieder nach Wien. Die Einkaufsliste ist wieder einmal länger geworden, die Rettungsinsel und ein Feuerlöscher, der an Bord war, müssen wieder überholt werden. Beim nächsten Mal wird Fritz alleine hinauffahren und viel arbeiten…

 

 

 


Wie eine Autorallye in der Fußgängerzone

21. September 2011

bezeichnet Fritz die Situation am Wasser. Nachdem wir am Dienstag in der Früh in der Geltinger Bucht den Anker geworfen haben, faulenzten wir den Rest des Tages. Heute, am Mittwoch, sind wir um halb zehn Uhr morgens aufgebrochen um die letzte Wegstrecke zu unserem Liegeplatz zurückzulegen. Aber man macht es uns schwer. Holländische, schwedische, französische, englische und natürlich deutsche Minenlegerboote kreuzen unseren Weg und der Kanal 16, der Anruf- und Notfallkanal des UKW-Seefunkes spuckt ständig neue Anrufe an alle Segelboote der Umgebung aus, diesen auszuweichen. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich, manche schweigen und antworten erst, wenn sie auch mit dem Suchscheinwerfer angeblinkt werden, manche anworten mit Obzönitäten und manche ändern halt den Kurs. Fritz achtet mit Hilfe des AIS darauf, ihnen gar nicht mehr in die Quere zu kommen und lauscht mit Vergnügen dem Funkverkehr. Unterwasserdetonationen werden angekündigt, die Küstenwache und der Zoll begleiten das ganze – hier geht es also wirklich hoch her. Rasch steuern wir jedoch unseren Liegeplatz an, welcher allerdings belegt ist, so nehmen wir den Platz nebenan und vertäuen uns. Ein kleiner Plausch mit unseren Hafenmeistern und dann wird gründlich geduscht und der Ofen angeworfen. Die Magellan ist wieder zu Hause, uns fehlen noch 1350 km Autofahrt dazu. Aber die nächsten Tage werden wir einmal alles putzen, ein paar kleinere Arbeiten durchführen und die letzten Urlaubstage genießen. Wir haben diesen Urlaub 1466 sm zurückgelegt, davon 1103 unter Segeln.  48 Reisetage liegen hinter uns, davon haben wir 25 Nächte in Häfen verbracht. Während unseres Urlaubes haben wir drei Länder besucht und 6 Nachtfahrten gemacht. An 7 Tagen, an denen wir gesegelt haben, hatten wir mehr als 6 Bft. Windstärke.


Kaffeefahrt

20. September 2011


Mein Lieblingskaffee in Deutschland liegt auf der Insel Fehmarn, und da will ich heute eine Torte essen. Das ist doch kein schlechter Grund um am späten Vormittag Anker auf zu gehen und ohne Frühstück (die Torte wartet) Richtung Burgstaaken zu segeln. Auch ist die Pumpe unserer Toilette defekt und vielleicht hat der Yachtausstatter am Hafen das Passende für uns. Es beginnt die Zeit des Kranens, der kleine Hafen mit seinen drei Kränen ist gut besucht und es herrscht hektische Betriebsamkeit. Wir finden aber doch noch einen Liegeplatz für uns und ich melde mich beim Hafenmeister. Da wir nur einige Stunden hier liegen möchten und am Abend in einer Nachtfahrt zur Geltinger Bucht weitersegeln möchten, zahlen wir keine Liegegebühr, nur für den Strom ist eine kleine Gebühr fällig. Nachdem dies geklärt ist, beginnt die Einkaufstour, eine neue Wellenanode wird gekauft, da dieses Geschäft auch für unsere 55 mm Welle das Richtige auf Lager hat, eine neue Toilette nach Preisverhandlungen erstanden. Laut Katalog des Branchenführers sollte sie nur 150 Euro kosten, hier ist sie mit fast 200 Euro angeschrieben. Nach einem Preisnachlass von 30 Euro schlage ich zu – die Kosten für Diesel nach Hamburg muss ich ja auch berücksichtigen. Wir haben uns gegen einen reinen Austausch der Pumpe entschieden und tauschen gleich komplett. Dies erledigt Fritz auch innerhalb von 20 min und dann geht es weiter zu Kaffee und Kuchen. Im Strandkorb im Garten sitzend genieße ich die Sonne und beobachte freche Spatzen, welche sich ihren Anteil an Bröseln sichern. In diesem Urlaub ist mir aufgefallen, dass ich in Wien schon lange diese kleinen Vögel nicht mehr gesehen habe, in Schweden waren sie überall zu entdecken, und haben sehr gerne auf den Festmachern der Magellan gesessen und sich schaukeln lassen. Einmal sind wir sehr früh ausgelaufen und es dauerte einige Zeit, bis ich so einem Federhaufen klar gemacht hatte, dass die Leine sich nicht stärker bewegte,  weil mehr Wind ist, sondern wir auslaufen wollen. Nur sehr unwillig wurde man munter und wechselte den Schlafplatz. Für den Skipper gibt es noch eine neue Fleecejacke mit Windstopperfunktion und danach geht es retour an Bord. Während Fritz für die Nachtfahrt vorschläft, mache ich mich noch auf Schusters Rappen,  maschiere die 1,5 km nach Burg und kaufe Lebensmittel ein. Um 18:00 verlassen wir die Insel und segeln unter Groß und Fock Richtung Flensburg. Und nun stellt sich heraus, dass der Wetterbericht gelogen hat, wir fahren einen harten Amwindkurs und unser armes Schiff schlägt in den Wellen. Als ich meine Wache antreten möchte, bekomme ich noch 4 weitere Stunden Freiwache “geschenkt”, da es viel Verkehr gibt, der Wind ordentlich bläst und die Magellan in den Wellen schlägt. Liebend gerne hantle ich mich wieder in die Heckkoje und schlafe noch eine Runde. Um Mitternacht hat sich der Wind gedreht und ich laufe bei sternenklarer Nacht mit viel weniger Welle meinen Kurs. Sogar ein Imbiss kann von mir gekocht werden. Fritz hat in seiner nächsten Wache noch viel Freude an einer ganzen Heerschar an Minenlegern, denen er sogar ausweichen muss, nach entsprechender Aufforderung über Funk. Und ich darf auch hier meine Freiwache deutlich verlängern, und stehe erst kurz vor 07:00 Uhr auf, um den Anker in der Geltinger Bucht fallen zu lassen. Rasch noch ein Frühstück uns dann verschwindet der Skipper in die Koje.


Es werde Licht

20. September 2011

Es ist Sonntag der 18. September. Es ist diesig und es weht kein Hauch in der Marina Hohe Düne. Schön langsam regt sich Leben im Bauch der Magellan. Nach einem guten Frühstück geht Fritz zuerst einmal in den Mast, ein paar Minuten später leuchtet es von der Saling auf mich herunter. Danach wird noch an Bord ein bisschen herumgetrödelt und der Körperhygiene in den Duschräumen des Hafens gefrönt: Hier zeigen LEDlampen schon außen an, welche Duschen besetzt sind und welche nicht, die Sanitärräume  sind auf einem sehr hohen Niveau. Frisch geschrubt legen wir ab und der Wind ist so nett und beginnt leise zu säuseln. Bald sind wir aus den Fahrrinnen heraussen, ein angenehmes Gefühl, da die Fähren hier Vorfahrt haben, und reihen uns die große Anzahl der Segelyachten ein. Der Tagestrip soll uns nach Großenbrode oder nach Fehmarn führen, hier kranen nämlich heute gerade Anja und Thorsten, vielleicht schaffen wir ein Wiedersehen. Die Magellan ist zufrieden, der Wind ist konstant, die Welle nicht vorhanden und wir laufen schneller als die Schiffe in der Nähe, obwohl wir mehr Höhe laufen. Dies stimmt Fritz wieder sehr zufrieden. Wenn jetzt auch noch die Sonne scheinen würde, wäre es Segeln wie aus dem Bilderbuch. So haben wir einen grauen, diesigen Himmel, das Meer spiegelt die Farbe wieder, ein richtiger Herbsttörn. Bereits um 16:00 fahren wir in den Großenbroder Binnensee ein, Anja und Thorsten habe ich telefonisch nicht erreicht, daher werden wir ankern. Die Wassertiefe im Binnensee beträgt teilweise nur 2 m, die Magellan benötigt genau dies um nicht am Kiel gekitzelt zu werden. So tuckert Fritz sehr langsam und vorsichtig, den Tiefenmesser immer im Auge behaltend, zu unserem Ankerplatz. Unser Anker hält sofort, obwohl laut Karte viel Bewuchs am Grund sein soll und wir schwojen gemütlich im Wind. Da sich die Wolken nun endlich verzogen haben, setze ich mich nach dem Essen in die Sonne und lese gemütlich im Cockpit. Das Licht ist wieder einmal unwahrscheinlich schön, der Fotoapparat will dies aber nicht abbilden, da die Batterien leer sind. Aber es ist doch schon Mitte Herbst, die Sonne geht, und die Kälte kommt. Wir werfen unseren Dickinsonherd an, und heizen damit die Magellan. Nebenbei backe ich noch Schokomuffins und bald duftet das Schiff nach Schokolade und Kuchen.


Bastelstunde

17. September 2011

Samstag der 17. September. Frühmorgens maschiere ich in die Hafenmeisterei und melde uns an und frage, ob wir uns verholen müssen. Dies aber nicht notwendig und so kaufe ich noch rasch Gebäck für das Frühstück und kehre wieder in mein Bett zurück. Erst am späten Vormittag erwachen die Lebensgeister erneut und wir beginnen mit einigen Arbeiten an Bord. Das Teak im Cockpit gehört geputzt und neu eingeölt, inzwischen ist es nämlich schon ziemlich rutschig, der Seewasserfilter wird gereinigt, da wir einige Algen und ein bisschen Seegras darin haben, und weil wir schon beim Putzen sind kümmere ich mich auch noch um den Filter der Wasserpumpe. Auch die Salingsleuchte will seit einigen Tagen nicht mehr arbeiten, hier hat die Korrosion voll zugeschlagen und daher beschließen wir diese zu erneuern. Da es Samstagnachmittag ist haben die Yachtzubehörhändler con Warnemünde schon geschlossen und so starte ich eine Expedition mit der Fähre auf die andere Seite des Flußes, von dort geht es mit der S-Bahn, gefolgt von der Straßenbahn und einem Autobus nach Rostock. Hier erhalte ich doch tatsächlich das Objekt meiner Begierde und trete den Rückweg an. Leider dauert dies alles doch recht lange und so maschiert Fritz doch tatsächlich mit der Stirnlampe in den Mast. Diese Beleuchtung reicht aber nicht aus und so werden wir wohl bei Tageslicht uns dem Problem wieder annehmen. Warnemünde habe ich so nur kurz gesehen, kann aber berichten, dass es sich um eine große Ansammlung von Leuten und Imbissbuden handelt. Das Gedränge und Geschiebe auf den Promenaden ist ein Großes und die Lokaldichte spricht für sich. Links und rechts befinden sich Sandstrände mit Dünen immer wieder sieht man Fähren oder Kreuzfahrtschiffe einlaufen. Wie das wohl erst im Hochsommer aussieht?


Warten auf Südost

17. September 2011

Der Wind hat etwas nachgelassen und so gehen wir bei Sonnenschein Anker auf. Unter Motor verlassen wir das geschützte Revier zwischen Rügen und dem Festland und tuckern eine enge Fahrrinne entlang. Links und rechts von uns stehen die Vögel im Wasser, der Bauch wird maximal nass, wenn sie die Füße einziehen. Unsere Fahrwasser ist ca. 4 m tief, nur einige Zentimeter außerhalb der Rinne sind es aber nur noch 10 cm. Hier ist Warschau (=Achtung)  geboten. Die Wellen empfangen uns sobald wir die Insel Zingst hinter uns gelassen haben. Noch können wir den Kurs nicht ändern, da wir uns im Nationalpark zwischen Zingst und Hiddensee befinden, hier darf man außerhalb des Tonnenstriches in der sogenannten roten Zone gar nicht einfahren, die grüne nur ohne Motor befahren. Aber bald erlaubt die Seekarte einen Kurswechsel und wir setzen Fock sowie Gros und beginnen aufzukreuzen. 18 sm soll es in den Westen gehen, und genau daher weht der Wind. Aber im Laufe der nächsten Stunden wird es laut Wetterbericht einen Richtungswechsel geben, darauf warten wir nun sehnsüchtig. Die Seemeilen verdoppeln sich schön langsam, der Winddreher lässt auch Stunden danach auf sich warten. Darßer Ort, der Nothafen der normalerweise nicht angelaufen werden darf, ist derzeit auf Grund der Wetterlage offen aber wir tragen nur erleichtert ins Logbuch ein, dass er nun endlich querab liegt. Nun können wir schön langsam unseren Kurs deutlich ändern und werden bei Halbwind nach Warnemünde die letzten 26 sm zurücklegen. Zeit wird es, Fritz hat das Aufkreuzen satt und wird schön langsam unrund. Ich genieße ehrlich gesagt das Wetter und den nachlassenden Wind und freue mich meines Lebens. Aber Hoppla, kaum sind wir um die “Ecke” gefahren, kommt die böse Überraschung, der Wind dreht mit uns mit und wieder fahren wir hart am Wind, nur diesmal auch noch langsam. Einige Zeit später schläft der Wind ein und so starten wir die Maschine. Erst spät am Abend, der Mond ist schon aufgegangen und die Sterne funkeln vom Firmament kommt endlich der Wind aus der vorhergesagten Richtung und die Magellan zieht wieder unter Segeln nach Warnemünde. Kurz nach Mitternacht laufen wir in die Warnow ein und suchen uns einen Liegeplatz. Der erste Hafen ist leider schon zu voll und so steuern wir die Yachtresidenz “Hohe Düne” an. Hier hat man in ein Hotel, ein Spa und in 750 Liegeplätze investiert, die Beleuchtung aber ist leider fast nicht vorhanden und so suchen wir uns sehr langsam einen Platz für die Nacht.  72 sm haben wir heute zurückgelegt, der Weg zu unserem Heimathafen ist nun nur noch 110 sm lang.  Nach dem Festmachen stellen wir fest, dass der gewählte Steg nur für Mehrrumpfboote gedacht ist, aber wir bleiben einmal vor Ort und werden bei Tageslicht eine Alternative suchen. Vor dem Einschlafen mache ich noch einen kurzen Spaziergang und entdecke die “Hausordnung”.  So viele Verbote auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Kopfschüttelnd trete ich den Rückzug an und berichte Fritz noch in der Koje kichernd von den einzelnen Punkten.


Meuterei

17. September 2011

Donnerstag fünf Uhr früh, der Wecker läutet, draußen ist es noch dunkel. Leiser Regen fällt auf das Luk der Heckkajüte.  Fritz brummt in seiner Koje, ich stehe auf und prüfe den aktuellen Wetterbericht unter zu Hilfe nahme des Internets. Der Windgenerator heult in den Böen immer wieder auf und die Wettervorhersage bestätigt auch meinen Verdacht, Fehmarn bis östlich Rügen hat W bis SW mit 6 – 7 Bft. in Böen wiedereinmal 8 Bft. Während der Skipper schön langsam in die Gänge kommt trete ich den Weg in die noch warme Koje an und vertrete die Ansicht, dass bei diesem Wetter ein Auslaufen nicht Not tut. Die Zeitreserve ist noch groß, der Wind soll im Laufe des heutigen Tages nachlassen und Stralsund gefällt mir – nichts lockt mich auf hinaus aus dem Hafen. Fritz murrt zwar und erwähnt das Wort “Meuterei” kuschelt sich aber ebenfalls wieder in sein Kissen und schläft rasch wieder weiter. Stunden später wird an Bord gemütlich gefrühstückt und zu Mittag hat der Wind auch seine Drehung von SW auf W vollzogen, der Dreher auf SO und der  Verlust an Windgeschwindigkeit hat aber noch nicht stattgefunden. Fritz, der sich im Hafen nicht mehr wohl fühlt prüft die Karte auf mögliche Ankerplätze und wir finden auch ca. 8 sm entfernt noch einen feinen Sandgrund mit ungefähr 3 m Tiefe. Also legen wir ab und segeln unter Fock und Gross flott dorthin. Der Wetterbericht hat nicht übertrieben, aber die Sonne scheint und bald steuern wir unseren Ankerplatz an. Hier wollen wir den Nachmittag verbringen und auf die versprochenen Wetteränderungen warten.  Beim Ankermanöver segelt die Magellan ohne Segel nur mit ihrem Masten noch immer 1,2 kn vorwärts und will sogar ihren Anker überholen. Der Rückwärtsgang treibt ihr diese Flausen aber rasch aus und bald liegen wir vor Anker vor einem Sandstrand, in der Nähe nur ein paar Stellnetze der örtlichen Fischer. So verbringen wir den restlichen Tag in der Sonne im Cockpit und gegen den Zug spannen wir das Cockpitzelt auf. Um 18:00 Uhr warten wir noch immer, aber keine Änderung ist in Sicht. Daher beschließen wir hier die Nacht zu verbringen und morgen früh ankerauf zu gehen und weiter Richtung Warnemünde zu segeln.


Sturmwarnung

15. September 2011

Das UKW-Funkgeraet knistert und knackst, der Wetterbericht zwischen Fehmarn und Rügen wird ueber den Aether uebertragen. Mit 7 – 8 Bft. soll es wehen, sogar Boen mit 10 Bft. werden angekuendigt. Da wir noch genug Zeitreserve haben, werden wir im Hafen bleiben und nicht auslaufen. Kurz darauf mache ich mich auf dem Weg zur “Amity”, unsere Bekannten waren ueber Nacht auswaerts, und wir schauen ein bisschen auf die Leinen. Allerdings sind sie inzwischen schon wieder eingetroffen und ich werde gefragt, ob mich Ilse auf meinem Spaziergang in der Stadt begleiten soll. Ja sehr gerne, habe ich so nicht nur angenehme Gesellschaft, sondern auch eine kompetente Stadtfuehrerin, da sie, bevor sie schweizer Staatsbuergerin wurde, in der Umgebung von Stralsund aufgewachsen ist, und hier auch zur Schule ging. Und so bekomme ich Ecken gezeigt, die ich alleine nie entdeckt haette. Auch erzaehlt sie mir, wie dies frueher alles ausgesehen hat, und wie viel seither schon getan wurde. Kleine Plaetze, die alte Stadtmauer und nette kleine Lokale werden von in den naechsten Stunden besucht. Zwischendurch machen ich noch ein Schnaeppchen, als ich in einem Geschaeft Tenax-Knoepfe kaufe und feststelle, dass der Preis weniger als die Haelfte zum fuer mich gewohnten Preis betraegt. Schnell verdreifache ich die Menge meines Kaufes. Nach dieser Erfahrung nehme ich noch schnell Kontakt zu einer Werft auf, die auch Arbeiten an Stahlboote durchfuehrt. Bei diesem Preisniveau lohnt sich vielleicht die etwas laengere Anreise nach Stralsund im naechsten Fruehjahr fuer die Erneuerung unseres Farbaufbaues auf den Seiten der Magellan. Allerdings ist man an dem Auftrag anscheinend nicht interessiert, da man in den naechsten zwei Tagen keine Zeit findet sich die Magellan anzusehen. Nun gut dann nicht. Bei Kaffee und Kuchen vergeht der Nachmittag auf der “Amity” und danach wird in der Heckkajuete der Fernseher angeworfen, bald gehen wir jedoch schlafen. Der Plan sieht vor, dass wir wieder einmal frueh aufstehen und wieder ein paar Seemeilen zuruecklegen.


Der Kampf gegen die Zeit

13. September 2011

Alles beginnt friedlich. Die Sonne scheint, die gestern bestellen Brötchen hängen an der Reling, sogar ein Wetterbericht ist beigepackt. Da die Klappbrücke in Strahlsund um 5:20, 8:20, 12:20 oder 17:20 öffnet, haben wir uns für eine Durchfahrt um 12:20 entschieden und frühstücken einmal gemütlich an Bord. Um 10:00 Uhr wird es ein bisschen lebendiger, Leinen werden neu gelegt und der Landstrom wird abgehängt. Da wir uns gestern ja noch umgelegt haben hängen wir nun an einer Heckboje, am Kai mit 2 Landleinen fixiert. Der Wind ist recht böig und kommt von der Seite. Magellan ist nicht willig sich zu bewegen und macht es mir schwer unseren Karabiner abzuhängen. Als es mir endlich gelingt und ich noch rasch die Vorleinen abziehe kommt natürlich eine Boe und die Heckboje unseres Nachbarn versperrt uns den Weg. Da wir gut abgefendert sind lassen wir uns an unser Nachbarboot treiben. Da hängen wir nun, die Boje unseres Nachbarn ist unter unserem Heck verschwunden. Nun werden Leinen ausgebracht und Magellan muss sich von der Boje im Lee wieder trennen. Bald sind wir mit vereinten Kräften wieder gut festgemacht, der Skipper der “Vamos” hat auch mitgeholfen. Nun werfen wir noch einmal die Leinen los und verlassen den Hafen. Draussen bläst es uns wieder einmal auf die Nase, und rasch erhöhen wir unsere Drehzahl auf 1600 U/min, zusätzlich setzen wir auch noch die Fock. Nun wird an Bord gerechnet, über 8 sm trennen uns noch von der Klappbrücke. Aus diesem Grund geben wir noch mehr Gas und brausen so durch den Strelasund. Wir sind nicht die einzigen, eine Charteryacht befindet sich die gesamte Zeit achteraus. Rechtzeitig erreichen wir die Klappbrücke, wo schon einige Segelyachten ihre Kreise drehen. Der Brückenmeister lässt sich  Zeit mit der Öffnung, aber nach einigen Minuten dürfen wir doch passieren.  Vorbei geht es an der Gorch Fock I, den Speicherhäusern und der Skyline von Stralesund. Der Fotoapparat klickt und ich freue mich an dem Anblick. Danach bringe ich rasch die Fender aus und wir legen auch schon im Cityhafen an der Mole an. Als wir die Magellan gut vertäut haben gibt es eine nette Überraschung: Ilse und Jörg von der “Amaty” liegen auch hier und haben unser Segelboot beim Anlegen sofort erkannt. Wieder einmal sind sie unser Begrüßungskomitee und wir freuen uns darüber. Danach geht es zu einer Stadtbesichtigung nachdem ich noch schnell einen Stadtführer gekauft habe. Die Gorch Fock I wird besucht und wir erfahren, dass der Großsegler bereits einmal gesunken war. Die Geschichte des Schiffes ist sehr wechselhaft und wir leisten uns einen Broschüre darüber. Stralesund selbst ist eine wunderschöne Stadt, viele Gebäude sind renoviert und überall gibt es kleine Cafes und kleine Geschäfte. Enge Gassen werden von uns erkundet, wir bewundern die Backsteinbauten mit ihren Giebeln und erst als der Wind auffrischt kehren wir an Bord zurück. Die Waschmaschine des Hafens wird von mir in Betrieb genommen und das Abendessen stammt heute von der Pizzeria.


Starkwind- oder Sturmwarnung für alle Vorhersagegebiete

12. September 2011

tönt es aus dem UKW-Funkgerät, “Böenwarnung für Fehmarn bis Rügen in der Stärke 8″ geht es weiter und Fritz und ich entwerfen schon einen neuen Törnplan. Nachdem wir unsere Liegegebühr an den Hafenmeister bezahlt haben, der mit diesen 17 Euro meinen Geldvorrat in dieser Währung geleert hat, geht es rasch in die kleine Stadt. Zuerst wird Geld abgehoben, dann wird beim Yachtausrüster ein Kartensatz für  Rügen gekauft. Diesmal nicht von dem, vor einiger Zeit schon erwähnten, großen Anbieter, der keine Angaben zu der Bodenbeschaffung gibt, sondern bei einem kleineren Verlag, der auch den besseren Hafenführer hat. Ein Buch für Fritz und viele frische Lebensmittel finden auch ihren Weg an Bord. Vor allem die Freundlichkeit der Einwohner fällt auf, auf dem Weg zum Supermarkt bin ich von mehreren Personen gefragt worden, ob sie mir helfen können, und ein Herr erzählt mir fast seine gesamte Lebensgeschichte. Der Ort selber wirkt sehr gepflegt und abgesehen von unserem Steg, der aber laut Hafenmeister gar nicht mehr in Betrieb ist, ist alles sauber und adrett. Während ich also plaudere und einkaufe, prüft Fritz inzwischen an Bord die Route rund um Rügen, der innere Weg interessiert uns aufgrund des Wetterberichts. Abgesehen von einer Klappbrücke gibt es keine Hindernisse und so machen wir uns auf den Weg. Wir verlassen um 10:00 Uhr Sassnitz und fahren wieder in den Süden. Unter Gross und Genua passieren wir das südöstliche Kap und damit endet vorläufig auch die Segelstrecke und wir bergen die Segel und starten “Konrad”. Dieser müht sich ab, aber die Drehzahl muss immer wieder erhöht werden, die Wellen sind inzwischen recht steil und hoch und der Wind blast uns auf die Nase. Die ersten Schaumstreifen erscheinen am Wasser und die Magellan taucht immer wieder ihren Bug ins Wasser. Nach ungefähr eineinhalb Stunden ist es  vorüber, wir müssen nicht mehr in der Dalbenstraße vor uns hintuckern,  sondern können wieder den Kurs ändern und erneut segeln. Jetzt wird aber nicht mehr die Genua, sondern das kleinere Segel hochgezogen: Die Selbstwendefock, unterstützt vom Gross, tritt in Aktion. Rasch ist der Greifswalder Bodden überquert und wir entscheiden uns aufgrund des Wetterberichtes, nicht zu ankern sondern Stahlbrode anzulaufen. Langsam schieben wir uns in den Hafen und begutachten die Liegeplatzmöglichkeiten. Ein netter Herr fragt uns, warum wir uns nicht längseits an ein größeres Schiff legen? Ich frage noch einmal nach, er bestätigt dies. Die Fender sind rasch auf der richtigen Seite ausgebracht und wir beginnen mit unserem Manöver. Nun stellt sich jedoch heraus, dass der Herr vom Steg, die kleine Lücke am Steg meinte und nicht den Platz neben seinem Segelschiff. Zu spät, die kleine Lücke ist zu klein, da passen wir nicht hinein. Während ich die Leinen befestige, erklärt mir unser neuer Nachbar, dass er Charterskipper ist, und seine Gäste meist Anfänger sind, welche das Päckchenliegen nicht kennen. Daher würde er mit Gästen an Bord uns dieses Manöver nicht genehmigen, so ist es ihm zwar nicht recht, aber er nimmt es hin. Große Augen von unserer Seite – wie unfreundlich kann man eigentlich sein? Der Hinweis, dass ich wohl auch blind bin, da er doch schon die ganze Zeit auf die Lücke am Steg hingewiesen hat macht es auch nicht besser.  Der Hafenmeister lacht nur und meint, dass sich der Skipper der “Vamos”  schön langsam daran gewöhnen sollte. Wir sind mit unserem Nachbarn aber nicht glücklich und verlegen uns an eine Heckboje. Kichernd fragen wir uns, was er in Häfen machen würde, wo es von der Hafenverwaltung verboten ist, dass mehr als 5 Boote im Päckchen liegen und man manchmal die Hafenbecken überqueren kann, indem man von einem Boot auf das nächste steigt.  Danach wird es ruhiger auf der Magellan, die Nachrichten werden ja nun wieder in deutsch empfangen und die DVBT-Antenne wird ausgepackt. Viel hat sich an den Themen in den letzten sechs Wochen nicht geändert, der Anschluss ist rasch gefunden.

Ausblick auf die weißen Kreidefelsen von Rügen


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